Die Nacht - Salomon Geßner - Страница 1 из 6


Wie lieblich überfällst du mich hier! hier am bemoßten
Stein. Ich sah noch den Phoebus, wie er hinter den Stuffen jener Berge
sich verlohr, er lachte das lezte mahl zurück, durch den leichten
Nebel, der wie ein göldner Flohr, entfernte Weinberge, Haine und
Fluhren glänzend umschlich, die ganze Natur feyerte im sanften
Wiederschein des Purpurs, der auf streifichten Wolken flammte, seinen
Abzug, die Vögel sangen ihm das lezte Lied, und suchten gepaart
die sichern Nester, der Hirt, vom längern Schatten begleitet,
blies nach seiner Hütte gehend sein Abendlied, als ich hier sanft
einschlief. Hast du Philomele, durch dein zärtliches Lied,
hat ein lauschender Waldgott mich geweckt, oder eine Nimphe, die
schüchtern durchs Gebüsche rauscht? O wie schön ist
alles in der sänfteren Schönheit! Wie still schlummert die
Gegend um mich! Welch Entzücken! welch sanftes Taumeln
fließt durch mein wollendes Herz! Schüchtern
durchstreifet mein Blick den dunkeln Wald, ruht auf lichten Stellen,
die der Mond durch das dichte Gewölb zitternder Blätter,
hier am mossigten Stamm, dort auf dem winkenden Gras, oder an
zitternden Ästen ins schwarze Dunkel hinstreut, oft eilt er
schüchtern zurück, durch triegende Gestalten krummer
Stämme, oder im Dunkeln rauschender Äste, oder schwarzer
Schatten erschrökt, oder er fährt auf den Wellen daher, die
wie Lichter auf dem schwarzen Bach hüpfen, der sich neben mir


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