Ein Gemæld aus der Syndfluth - Salomon Geßner - Страница 1 из 4


Semira und Semin . SChon standen die marmornen Thyrme tief unter
der Fluth, und schwarze Wellen-Gebyrge wælzten sich schon yber
den Hæuptern der Berge; nur stand noch die erhabenste Stirne
eines Berges aus den Fluthen empor. Ein græßliches
Gewimmel war rings um seine bespyleten Seiten; das Geschrey der
Elenden, die verzweifelnd seine Hœhe hinan klimmten, denen der
Tod auf den Wellen immer die Fersen verfolgte. Hier reißt vom
Berg ein Hygel sich los, und styrzt mit seiner ganzen Last von
heulenden Menschen in die schæumende Fluth sich; gesammelte
Regen-Gysse spylen dort im wilden Strom den Sohn weg, der den
halbtodten Vater hœher hinanschleppte, oder die trostlose Mutter
mit der Last ihrer Kinder. Izt stand nur der oberste Gipfel noch aus
der Verwystung empor; Semin, ein edler Jyngling, ihm hatte das edelste
der Mædchen erst ewige Liebe geschworen, er hat seine geliebte
Semira auf diesen Gipfel gerettet. Einsam, die Fluth hatte sonst alle
getœdet, standen sie da im heulenden Sturm-Wind. Die Fluthen
styrzten auf sie hin, yber ihnen bryllt der Donner, und unter ihnen
bryllte ein tobendes Meer. Ein schrekliches Dunkel war um sie her,
wenn nicht Blize die grauenvolle Scene beleuchteten; jede Wolke drohte
von schwarzer Stirn Entsezen, und jede Woge yberwælzte mit
tausend Leichen sich, wælzte durch Ungewitter sich fort, und
suchte neues Verderben. Semira drykte ihren Geliebten an ihr bebendes
Herz, Thrænen quollen mit den Regen-Tropfen von ihren blassen


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