Erast - Salomon Geßner - Страница 1 из 26


Erster Auftritt. Die Scene ist ein einsamer, mit Bæumen und
Gestræuch umgebener Platz, vor Erasts Hytte. Erast . (Mit
einer Jæger-Flinte; er stellt sie unmuthig an die Seite.) Da
komm ich, unverrichteter Sache, wieder; weil wir kein Brod mehr
hatten, gieng ich aus, einige unschuldige Thiere zu fællen;
umsonst hab ich den ganzen Nachmittag in der Sonnen-Hize das heisse
Gebyrg durchloffen; so wird der Hunger unserm Elend bald ein Ende
machen. Ich will hineingehn; doch nein, ich muß mich erst von
meinem Unmuth erholen. Ich muß ihn vor Lucinden verbergen. Ach
Gott! Die Tugendhafte, wie willig sie Armuth, æusserste Armuth,
dieses hylflose Leben duldet, um es mir ertræglich zu machen.
Und wenn sie yber unser gemeinschaftliches Elend einsam weint und sie
hœrt, daß ich komme; dann troknet sie die Thrænen
von den Augen, und læchelt freudig mir zu, um mich nicht zu
krænken. Ach Gott! Ja du wirst diese Tugend noch belohnen. Wie
sehr verdient sie, glyklich zu seyn! Ich wære noch geruhig; aber
das peinigt mich, der Gedanke, daß ich die Schuld ihres Unglyks
bin, und des Elends unsrer bedauernswyrdigen Kinder. Das martert mein
Herz, daß ich ihre Großmuth auf keine Art belohnen kann.
Indeß wird unsre Armuth immer grœsser, und unser Leben
immer hylfloser. Das wenige, was ich hatte, ist weg; an wen soll ich
mich wenden? und yber das hat das lezte Gewitter unsre reifende
Nahrung verderbt; zu wem soll ich mich wenden, da mein eigener Vater


-10     пред. Страница 1 из 26 след.     +10