Idas und Mycon - Salomon Geßner - Страница 1 из 7


Sänger! Wenn ich dich sehe, dann hüpft mir das Herz vor
Freude; seit du auf dem Stein beim Brunnen mir das Frühlingslied
sangest, seitdem hab' ich dich nicht gesehen. Mycon. Sei
mir gegrüßt, Idas! du lieblicher Flötenspieler!
Laß uns einen kühlen Ort suchen, und in dem Schatten uns
lagern. Idas. Wir wollen auf diese Anhöhe gehen, wo
die große Eiche des Palemons steht; sie beschattet weit umher,
und die kühlen Winde flattern da immer. Indeß können
meine Ziegen an der jähen Wand klettern und vom Gesträuche
reißen. Sieh, wie die große Eiche die schlanken Aeste
umherträgt und kühlen Schatten ausstreut; laß hier bei
den wilden Rosengebüschen uns lagern, die sanften Winde sollen
mit unsern Haaren spielen, Mycon! dieß ist mir ein heiliger Ort!
O Palemon! diese Eiche bleibt deiner Redlichkeit heiliges Denkmal.
Palemon hatte eine kleine Heerde; er opferte dem Pan viele Schafe. O
Pan! bat er, laß meine Heerde sich mehren, so kann ich sie mit
meinem armen Nachbar theilen. Und Pan machte, daß seine Heerde
in einem Jahr um die Hälfte sich mehrte; und Palemon gab dem
armen Nachbar die Hälfte der ganzen Heerde. Da opfert' er dem Pan
auf diesem Hügel und pflanzt eine Eiche und sprach: O Pan! immer
sei dieser Tag mir heilig, an dem mein Wunsch sich erfüllte;
segne die Eiche, die ich hier pflanze; sie sei mir ein heiliges
Denkmal; alle Jahre will ich dann in ihrem Schatten dir opfern. Mycon!


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