Weitere Idyllen und Gedichte - Salomon Geßner - Страница 1 из 20


               
Einfältige Viole,
Du hüllest zwar dein Antliz
Vor aller Menschen Blike,
Vor deinen eignen Bliken,
In deiner Mutter Blätter,
Und wählest dir zur Wohnung
Einsidlerische Pläze.     Doch Zephir
kömmt, und raubet
Die lieblichen Gerüche,
Die du zu unvorsichtig
Aus deinen Blümchen hauchest.     Wann
er dann Luft und Erde
Damit erquiket siehet,
Verläßt er dich, und flieget
In eine ferne Gegend.     Dort ruft er andern
Räubern,
Die mit undankbarn Händen
Die Blümchen selber pflüken.    
Nichts ist vor den Begierden
Der frechen Menschen sicher.
Was hilft dich, armes Veilchen,
Die blosse dunkle Farbe,
Und dein einöder Wohnplaz,
Wann deine süssen Düfte
Dich immerhin verrathen? Salomon Geßner
Morgenlied.     Willkommen, fryhe
Morgen-Sonn;
    Willkommen, junger Tag!
Dort aus des Berges dunkelm Wald
    Blizt schon dein Stral hervor. Schon
blinket er im Wasser-Fall,
    Im Thau auf jedem Laub;
Und Munterkeit und Wonne koemmt
    Mit deinem Glanz daher. Der Zephir, der
in Blumen schlief,
    Verlæßt sein Beth, und schwermt
Von Blum zu Blum, und schyttelt die,
    Die izt noch schlafen, wach. Der


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