Österreichische Strafanstalten - Stefan Großmann - Страница 1 из 114


    Wiener Verlag
Wien und Leipzig
1905     Viktor Adler gewidmet
    Vorwort Herr Sektionschef
Robert Ritter v. Holzknecht, der oberste Chef der staatlichen
Gefängnisse in Österreich, war nicht sehr erfreut, als ich
durch die Liberalität des früheren Ministerpräsidenten
Dr. Ernst v. Körber eine Erlaubnis erhielt, die
wichtigsten österreichischen Strafanstalten zu besichtigen und zu
studieren. »Was wollen Sie denn sehen?« fragte mich
der Herr Sektionschef scheinbar voll Erstaunen über mein kurioses
Vorhaben, »eine Zelle ist eine Zelle, viele Zellen sind ein
Gefängnis! Was gibt's da zu studieren?« Ich gestattete
mir zu antworten, daß auch Zellen voneinander verschieden sein
können. In Dänemark hat man von modernen Architekten neue
zweckmäßig eingerichtete Strafhäuser bauen lassen, in
Österreich hat man unverwendbare Klöster neu adaptiert. Im
übrigen betonte ich, daß die Zellen der Strafanstalten auch
bewohnt sind. »Eben dieses,« fiel mir der hohe
Ministerialbeamte mit erhobener Stimme ins Wort, »eben dieses
ist es, weshalb ich kein Freund der Gefängnisbesuche bin. Der
Sträfling wird beguckt, er fühlt sich ausgestellt, ja
geradezu prostituiert . . .« Ich versuchte
abzuwehren. Ich erklärte, daß ich nicht die Absicht
hätte, irgendeinen Sträfling nach seinem Fall zu


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