Briefe an Hölderlin - Susette Gontard - Страница 1 из 24


(Susette Gontard ist Hölderlins "Diotima") Frankfurt,
etwa Ende September/Anfang Oktober 1798 Ich muß Dir
schreiben Lieber! Mein Herz hält das Schweigen gegen Dich
länger nicht aus, nur noch einmal laß meine Empfindungen
sprechen vor Dir, dann will ich, wenn Du es besser findest, gerne,
gerne, still sein. Wie ist nun, seit Du fort bist, um und in mir
alles so öde und leer, es ist als hätte mein Leben alle
Bedeutung verloren, nur im Schmerz fühl ich es noch …
Wie lieb ich nun diesen Schmerz, wenn er mich verlassen und es wieder
dumpf in mir wird, wie such ich ihn mit Sehnsucht wieder, nur meine
Tränen über unser Schicksal können mich noch freun
… Sie fließen auch reichlich, wenn ich Abends, schon um
neun Uhr, den Tag zu verkürzen, mit den Kindern zur Ruhe mich
lege, wenn alles still ist und niemand mich sehen kann. Wie! dachte
ich dann oft, soll künftig diese geliebte, reine Liebe wie Rauch
verfliegen und sich auflösen, nirgends eine bleibende Spur
zurücklassen? – Da kam der Wunsch in mich, noch durch
geschriebene Worte, für Dich, ihr ein Monument zu errichten das
unauslöschlich die Zeit doch unverändert schonet. Wie
möchte ich, mit glühenden Farben, bis auf ihre kleinsten
Schattierungen, sie malen, und sie ergründen, die edle Liebe des
Herzens, könnte ich nur Einsamkeit und Ruhe finden! So,
beständig gestört zerrissen, kann ich nur stückweise
sie fühlen, suche sie beständig, und doch ist sie ganz in


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