Omphale oder Die verliebte Teppichdame - Théophile Gautier - Страница 1 из 18


Teppichdame Eine Rokoko-Geschichte Mein Oheim, der
Chevalier de... (der Name spielt keine Rolle dabei), residierte in
einem kleinen Haus, das nach der einen Seite auf die traurige Rue des
Tournelles und nach der andern auf den ebenso tristen Boulevard
Saint-Antoine Ausblick hatte. Zwischen dem Boulevard und Onkels
Wohnpalais streckten etliche sehr gealterte Hagebuchen
erbarmungswürdig ihre von Borkenkäfern zerfressenen,
moosbedeckten dürren Arme aus einem etwas modrig riechenden
Dreckwinkel, der von hohem, schwarzem Mauerwerk eingefriedigt war, gen
Himmel. Ein paar armselige, bleichsüchtige Blumenstengel
ließen trauernd ihre Blütenköpfe, wie brustkranke
junge Mädchen, hängen und warteten sehnsüchtig darauf,
daß ein Sonnenstrahl sich zu ihnen hereinstehle und ihre vor
Nässe überfeuchten Blätter ein wenig trockne. In diesen
»Alleen« hatten sich überall die Gräser so
breitgemacht, daß man kaum mehr eine Spur von Weg erkennen
konnte, so lange war es schon her, daß hier ein Rechen
darüber hingegangen war. In einem Bassin, das von Wasserlinsen
und Sumpfpflanzen über und über bedeckt war, schwammen oder
vielmehr trieben ein, zwei Goldfische dahin. Mein Oheim nannte das
seinen »Garten«. In diesem seinem »Park« gab
es – außer den schönen Dingen, die wir eben
beschrieben – einen Pavillon, der einen ziemlich
griesgrämigen Anblick bot und dem sein Besitzer, zweifelsohne aus
einem Sinn für den Gegensatz, den Namen


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