Wilhelm von Humboldt im Verkehr mit seinen Freunden - Eine Auslese seiner Briefe - (Friedrich) Wilhelm (Christian Karl Ferdinand) Freiherr von Humboldt - Страница 1 из 521


mit seinen Freunden Eine Auslese seiner Briefe. Herausgegeben
von Theodor Kappstein Das innere Weben der
Seele bleibt immer das Höchste und Beste, und das
Glücklichste ist, sich nur mit ihm in sich und anderen zu
beschäftigen. In allem, was die Vorzeit und die Gegenwart, die
Wirklichkeit und die Dichtung darbietet, ist das einige anziehende
Bemühen doch nur zu erkennen, zu ahnden, welche innere Regungen
die menschliche Brust in allen Gestalten der Menschheit füllten
und bewegten.
Wilhelm von Humboldt (1818). Einleitung
Wilhelm von Humboldt ist ein klassischer Meister des Briefes. Seine
Briefe umspannen das tausendgestaltige Leben, und nichts Menschliches
bleibt ihnen fremd. Der Liebeszauber umfängt ihn, und der
Vaterschmerz um den Verlust des geliebtesten Kindes erschüttert
ihn; er versenkt sich in die Kunstschätze Roms, und er leidet
unter dem schwelenden Nebel von London; er schreitet in Madrid zum
umständlich-feierlichen Handkuß vor das Königspaar und
ist in Berlin beim Leichenzuge der Königin Luise; mit Schiller
verhandelt er eingehend über dessen dichterisches Schaffen, und
als Gast bei Goethe lernt er die Helena-Szenen aus dem
»Faust« in der ersten handschriftlichen Fassung kennen;
aus Petersburg bestellt er sich seltene Texte für seine
Sprachstudien, und zur hauswirtschaftlichen Erleichterung seiner
Gattin handelt er einen Zuckerhut ein, ihn schamhaft vor dem Personal


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