Düsseldorfer Gemäldebriefe - (Johann Jakob) Wilhelm Heinse - Страница 1 из 90


I. Über einige Gemälde der Düsseldorfer Galerie
Aus Briefen an Gleim von Heinse Das Leben des Apelles, lieber
Vater Gleim, woran Sie mich von neuem erinnern, wird wahrscheinlicher
Weise unter meinen alten Planen liegen bleiben; vielleicht wär es
auch das nicht geworden, was Ihre Liebe davon ahndete. Die Idee dazu
hat den Reiz der Neuheit für mich verloren, die immer
stärker quellende Fülle, die sie damals hatte, als ich in
jenen unvergeßlichen Morgen eines ganzen Mai mit Ihnen unter
Ihren blühenden Bäumen, wo die Nachtigallen alt und jung
schlugen, den Himmel sich röten sah, im Purpurfeuer flammen, und
das Leben Gottes in dem fruchtbaren Strahlenregen hervorbrechen.
Lassen wir es; wir haben Genuß genug davon gehabt in jenen
seligen Augenblicken, wo wir ganz in der Phantasie unter den Griechen
lebten, voll der Helden Plutarchs; im Tempe herumwandelten, den Ossa
und Pelion bestiegen, und den Olymp, und die herrliche Natur um uns
her sahn; durch Stadt und Land strichen, mit Weisen, Künstlern
und Mädchen uns besprachen, und das glücklichste Jahrhundert
träumten; und segelten durch die schönen Inseln des
Archipelagus gen Kos zu dem Volke des Apelles und Hippokrates; und von
da an den Küsten von Kleinasien landeten, und in Ionien
herumschwärmten bis auf den Gipfel des Ida zu dem Vater Zeus des
Homer. Wie gestärkt und gleichsam vergöttert wir da wieder
herunter stiegen in die quellenreiche Täler, mit dem Heere des


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