Elfriede - Adolf Hausrath - Страница 1 из 353


Erstes Kapitel »Heile mich, Vater der Liebe«,
sprach die Seele zu ihrem Schöpfer. »Riß und
Entzweiung kam in mein Inneres, seit ich durch der Wolken Spalt den
Stern erblickte, den sie Erde nennen. Wenn Deine Hand mich nicht
hielte, so wäre ich längst hinabgestiegen, denn ob ich wache
oder träume, stets ist mir, als ob dort meine wahre Heimath
wäre. So bin ich in mir getheilt; liebend hasse ich, wollend will
ich nicht. Rings umgeben vom Lichte bin ich in Finsterniß, denn
Streit gegen mich selbst macht mich friedlos mitten im Reiche des
Friedens.« Indem sie so sprach, sank die Seele schon tiefer
und tiefer, und der Magnet der ewigen Liebe schien schwächer zu
wirken, als ob er sie lasse und sie hinabstürze in die untere
Welt. Ihr Licht verbleichte, je ferner sie dem Urquelle alles Lichtes
kam. Bald sah sie sich umgeben von Genossen, die denselben Weg nach
unten betreten hatten. Gleich Schneeflocken trieben sie, von jedem
Lufthauche hin- und hergeführt, nach unten, während ihnen
andere entgegenkamen, die ihren irdischen Lauf vollendet hatten und in
froher Eile heimkehrten in der ewigen Liebe Schos. Ein Lied, sanft wie
Harfenklang, tönte aus den Reihen der heimwärts wallenden
Pilger: O, seliges Sein
In Gottes Schos!
Einst ließ ich los
Und war allein.
Hell wie Krystall
An der Grenze des All'
Sah ich die Klippe;
Sumpfiger Boden
Schien lachende Au,


-10     пред. Страница 1 из 353 след.     +10