Schlumski. Eine Hunde- und Menschengeschichte - Agnes Harder - Страница 1 из 137


gerade über mir ein strahlendes Knabengesicht und hörte eine
jubelnde Stimme: »Neumann, jetzt können sie sehen! Der
Gelbe hier hat eben geblinzelt, ich habe es ganz deutlich
gemerkt!« »Schön, junger Herr. Aber legen Sie ihn
man wieder zurück. Was seine Mutter ist, die Freya, die knurrt
all.« Die kleine Knabenhand, die mich fest und derb an der
Haut im Nacken hielt, ließ mich fallen, und ich fiel auf einen
runden dunklen Gegenstand, meinen Bruder Wotan. Als ich ihn
berührte, erkannte ich ihn sofort wieder. Ich hatte mich bisher
in meiner kindischen Blindheit neben ihm herumgedrückt, ohne ihn
zu sehen. Meine Mutter brachte mich mit einem zärtlichen Knurren
wieder in die richtige Lage und leckte mir mit ihrer weichen Zunge
einmal über den Rücken. »Hörst du, Neumann,
sie knurrt«, sagte der kleine Hans. »Sie ist böse,
daß ich Schlumski angefaßt habe. Und er ist doch so
niedlich. Wie schade, Neumann, daß die vier anderen tot gemacht
sind.« »He, junger Herr, wir haben all so genug. Und 2
von diesen beiden muß auch einer fortgegeben werden, hat der
gnädige Herr gesagt.« »Welcher, Neumann?«
Ich horchte hoch auf. »Das ist noch ungewiß, und das
hat auch noch Zeit.« – Jeden Tag kam Hans uns ein
paar Mal besuchen. Es war sein letzter freier Sommer. Im Herbst sollte
er einen Hauslehrer bekommen. Auch mein Bruder Wotan hatte nun seine
Augen aufgemacht, und unter unserer Mutter hervor spähten wir


-10     пред. Страница 1 из 137 след.     +10