Gedichte - Albrecht von Haller - Страница 1 из 71


ist dasjenige, das mir am schwersten geworden ist. Es war die Frucht
der großen Alpen-Reise, die ich An. 1728 mit dem jetzigen
Herrn Canonico und Professor Geßner in Zürich getan hatte.
Die starken Vorwürfe lagen mir lebhaft im Gedächtnis. Aber
ich wählte eine beschwerliche Art von Gedichten, die mir die
Arbeit unnötig vergrößerte. Die zehenzeilichten
Strophen, die ich brauchte, zwangen mich, so viele besondere
Gemälde zu machen, als ihrer selber waren, und allemal einen
ganzen Vorwurf mit zehen Linien zu schließen. Die Gewohnheit
neuerer Zeiten, daß die Stärke der Gedanken in der Strophe
allemal gegen das Ende steigen muß, machte mir die
Ausführung noch schwerer. ich wandte die Nebenstunden vieler
Monate zu diesen wenigen Reimen an, und da alles fertig war, gefiel
mir sehr vieles nicht. Man sieht auch ohne mein Warnen noch viele
Spuren des Lohensteinischen Geschmacks darin.
    Versuchts, ihr Sterbliche, macht euren Zustand
besser,Diese 10 Verse stehen nicht in der ersten Auflage.
Braucht, was die Kunst erfand und die Natur euch gab;
Belebt die Blumen-Flur mit steigendem Gewässer,
Teilt nach Korinths Gesetz gehaune Felsen ab;
Umhängt die Marmor-Wand mit persischen Tapeten,
Speist Tunkins Nest aus Gold, trinkt Perlen aus Smaragd,Die
berühmten Vogelnester, die in Indien unter den Leckerbissen ganz
bekannt sind und die man zuweilen auch in Europa auf vornehmen Tischen


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