Borgia - Alfred Henschke - Страница 1 из 148


Diese Buchstaben zeichne ich zur Erinnerung auf, diese Worte
schreibe ich zum Gedächtnis, diese Gedanken denke ich zum
Nach-denken, diese Handlungen male ich zum Danach-handeln. Mein
Name ist Johannes Goritz, geboren bin ich in Luxemburg im Deutschen
Reich. Meines Standes bin ich Supplikenreferent. Mein Haus am Forum
Trajanum in Rom steht allen Menschen von Kultur und Bildung offen.
Vorzüglich die Deutschen, welche nach Rom kommen, pflegen mir die
Ehre ihres Besuches zu erweisen. So hatte ich die Freude, Reuchlin,
Copernicus, Erasmus, Ulrich von Hutten und jenen nachgerade
berühmt oder berüchtigt gewordenen Mönch Martin Luther
in meiner Häuslichkeit willkommen zu heißen und zu
bewirten. Letzterer war, wenn ich mich recht erinnere, ein starker
Esser vor dem Herrn, einem üppigen Kapaun oder feisten
Schweinebraten barbarisch zugetan. Wie überhaupt Mönchisches
und Barbarisches, Deutsches und Skythisches sich bei ihm wunderlich
vermengten und so eine Erklärung geben für die
übertriebene Ablehnung der Zustände im 'Sündenbabel'
Rom. Die Erde drehte sich damals schneller um ihre Achse. Die Menschen
verloren leicht die Balance. Kometen zogen ihre Schweife über den
nächtlichen Horizont. Der Saturn zeigte sein böses Licht.
Vesuv und Stromboli spien Feuer. Der Kriegsgreuel, der Revolutions-
und Religionskämpfe war kein Ende und der Humanität kein
Anfang, obwohl jedermann von Humanismus sprach. Wie sollte


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