Bracke - Alfred Henschke - Страница 1 из 159


lebenden, eines jungen Autors zu préfacieren. Meist sind es die
großen, weithin strahlenden, anerkannten Patriarchen der
französischen Literatur, die den Glanz ihres Namens über das
unscheinbare neue Oeuvre ausgießen, um es aus der Verlorenheit
in den Brennpunkt zu rücken; so préfacierte Anatole France
den jungen Marcel Proust, Romain Rolland den unbekannt-fremden
Schöpfer der »Kyra Kyralina«. Oft sind es die
Köpfe der literarischen Kritik, die ein Werk, im Vorwort schon,
vor der Gefahr des Unverstandes und der oberflächlichen
Betrachtung zu retten versuchen. Ich bin nicht sicher, ob beide
Préfacierenden immer ihren Erfolg haben; vielleicht bleibt die
Wirkung nur wie die jener schönen Geste, mit der man in den edlen
geistigen Gesellschaften, im Pen-Club beispielsweise, den hohen Gast
durch einen Patron einführt – eine Stimmungswirkung also,
die die Bereitschaft zu ernsterer Betrachtung beim Dritten doch
erhöht, und die darum produktiv wird. Sicher ist, daß
ein Vorwort, wie wir es hier setzen, in Deutschland selten – ich
möchte sagen: unpraktischerweise selten ist. Und wenn bei diesem
Buche, dem »Bracke« Klabunds, der Entschluß für
ein Vorwort reifte, so ist die innere Berechtigung nicht einmal in dem
zu finden, was wir die Schwierigkeit des Stoffes, des Werkes selbst
nennen. Es wäre langweilig und desavouierend, sollte man einem
Kunstwerk eine Art Erklärung voranschicken müssen; dies


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