Erzählungen - Alfred Henschke - Страница 1 из 50


Lapa, «du darfst nicht mehr allein in einer Kammer schlafen,
sonst flennst und betest du die ganze Nacht, statt nach rechtschaffen
erfüllter Tagesarbeit und einem kurzen, Gott wohlgefälligen
Gebet – Gott liebt die langen Gebete nicht, sie schmecken ihm
wie übermäßig verdünnter Wein – den
traumlosen Schlaf der guten Menschen zu schlafen. Ich werde eine Magd
entlassen, damit du im Hause zu tun bekommst und keine Zeit hast,
deinen Schrullen nachzujagen, in feuchte Grotten zu kriechen, die dich
nichts angehen, und Berge zu sehen, wo keine sind.» Katharina
neigte das Haupt. Ein Lächeln wiegte sich auf ihren schmalen
Schultern. Lapa schrie böse: «Jakob Benincasa, das
Schwein, dein Vater, ist wieder einmal besoffen nach Hause gekommen.
Er hat unser Bett beschmutzt und die ganze Stube verunreinigt. Ich
habe in der Küche auf einem Stuhl schlafen müssen. Du wirst
das Zimmer sogleich in Ordnung bringen. Carlotta, die Magd, kann
sofort gehen.» Katharina erhob das Haupt. Sie sah, wie ihre
Mutter sich entfaltete: eine goldene Blüte, und sah die heilige
Maria als Biene summend dem Kelch entschweben. Wenn ich meiner
Mutter diene, diene ich der Muttergottes, dachte sie. Mein Vater sei
Christus, meine Brüder gleichen den Aposteln und Bonaventura,
meine Schwester, entflieht im Mönchsgewand dem väterlichen
Hause, sich selig so zur Euphrosyne wandelnd. Ich aber, ihre
Zwillingsschwester, weihe meine Dienste unter dem Namen Smaragdus dem


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