Mohammed - Alfred Henschke - Страница 1 из 58


Aloe und alle Wohlgerüche Arabiens über dich, den erlauchten
Leser dieses geringen Buches. Du stehst mir nahe wie meiner Eltern
Kind. Sei mein tapferer Bruder! Meine scheue Schwester! Mohammed
Ibn Ishak grüßt den edlen Gefährten und die anmutige
Genossin einer kurzen Reise durch die Märchenwildnis seiner
Schrift. Nach mündlichen Berichten und Zeugnissen und den
gewissenhaften Erzählungen seiner Freunde schrieb er das Leben
Mohammeds, des Gesandten Gottes, wie er es wahrhaftig erlebte.
Möge Nachsicht seinem gewagten Unternehmen vergönnt sein!
Die Agave muß blühen, das Weib muß lieben, die Sonne
sich sonnen, Mohammed Ibn Ishak mußte dichten: die goldene
Geißel und die rosane Entzückung seines Seins. Der
Schatten einer Palme segnete Aminah, die Liebliche, welche sanft
dahingestreckt sich ihm vertraute. Die bronzene Wüste lag vor
ihren Blicken, ein Kessel, der über unsichtbaren Feuern schwang.
Ihre Ahnung irrte nach Westen. Dort hob sich eine Wolke Staub vom
Boden, als entstiege sie einer Karawane. Mit lässiger
Ängstlichkeit spielten ihre kleinen grauen Hände wie zwei
Mäuse im silbernen Sand. Die Wolke aber kam näher, und sie
nahm die Gestalt und den Glanz eines Jünglings an. Die Palme zu
ihren Häupten begann zu tönen. Die Luft bestürmte sie.
Zu schwarzen seidenen Kissen wandelte sich der Schatten, in dem sie
lag. Eine selige Müdigkeit streichelte ihre Glieder. Ein
strahlendes Echo zitternd gestammelter Liebkosung empfing sie aus der


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