Rasputin - Alfred Henschke - Страница 1 из 50


Mensch, wir wollen ihn Jefim nennen. Er trug keinen richtigen
adretten Namen, wie ihn Adlige und Bürger trugen, keinen
Eigennamen, der ihm zu eigen war und ihm allein gehörte. Er war
ein Bauer, ein Muschik, sein Vater hatte den Namen in einem alten,
vergilbten und zerfetzten Kalender aufgelesen. »Er soll Jefim
heißen«, sagte der Vater verdrossen und mürrisch,
denn das Buchstabieren im Kalender hatte ihn angestrengt.
»Schön«, sagte der Pope und schrieb den Namen ins
Kirchenbuch. »Gut«, sagte der Kommissar und schrieb
ihn später in seinen Paß, den er ordnungsgemäß
bei sich trug. Nein, nein, man konnte ihm nichts nachsagen. Da
wollte wohl mal einer kommen, ein Gendarm oder so, und ihm was
Böses oder Gesetzwidriges zutrauen. Alsbald zog er seinen
schmierigen Paß aus der grünen Wolljoppe, Tabakblätter
und rosige, klebrige Himbeerbonbons fielen dabei auf die Erde. Nun,
Euer Wohlgeboren, alles in Ordnung, wie? und er zwinkerte mit seinen
listigen Iltisaugen und sein graugrüner Strohbart sträubte
sich wie der Schwanz eines gereizten Katers. Niemand konnte ihm
etwas anhaben. Kein Gendarm, kein Polizist – nicht einmal der
Zar selbst. Wenn der Zar des Weges käme und ihn stellte: He,
du da, wie heißt du? – er bräuchte nicht zu zittern.
Keine Wimper bräuchte er bewegen. Er präsentierte dem Zaren
mit einer leichten, kavaliersmäßgen Verbeugung den
Paß: Hier, Väterchen, alles in Ordnung, mein Name ist


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