Roman eines jungen Mannes - Alfred Henschke - Страница 1 из 137


saß jeden Abend am Fenster, träumte die graue Wand an und
sah nach dem Kirschbaum herunter. Als sie Josua entdeckte, winkte sie
ihm. Josua setzte sich zu ihren Füßen auf die
abgescheuerten Dielen. Sie holte vom Kochofen eine Tasse
angewärmten, dünnen Kaffee und gab sie ihm. Er trank
bedächtig und sah nach einer Spinne, die über ihm an einem
Faden schaukelte. Nun fällt sie in den Kaffee, dachte er.
»Josi,« sagte sie, »jetzt kommt bald der
Vater.« »Welcher Vater?« fragte Josua.
»Dein Vater«, sagte sie. »Ach so«, sagte
Josua. »Freut dich das nicht?« fragte sie. Sie
hustete. Auf ihren Wangen flammte sekundenlang ein hektisches Rot.
»Nein«, sagte Josua. »Warum denn nicht?«
Josua wußte keine Antwort, dachte aber angestrengt nach.
Sie seufzte. Nach ein paar Tagen, gegen fünf Uhr
nachmittags, die graue Wand warf nachtdunkle Schatten ins Zimmer,
klapperte es die Treppe herauf. Hinter der Türe tuschelten
Stimmen, dann klopfte es stark. Josuas Mutter faßte sich an ihr
Herz, die Freude stieg ihr ins Gesicht, sie öffnete. Durch die
Türe schob sich eine blaue Schifferbluse, an der zwei kurze
energische Beine in schwarzsamtenen Pumphosen steckten. Oben aus der
Bluse quälte sich ein gedrungener Hals, aus einem dicken, runden,
glattrasierten Gesicht hoben sich zwei dunkelbraune Augen und ein
schöner kleiner Mund hervor, der nach Kautabak roch. Er spuckte


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