Spuk - Alfred Henschke - Страница 1 из 135


Die Äste beugt
Und der Rabe singt.
So wandert das Wetter Gottes
Zu den Sternen.

                 
            Hölderlin
Geschrieben im Fieber einer Krankheit,
Januar bis April 1921. Die Unterwelt Ich hatte ein
Gesicht. Aus meinem Unter-bewußtsein hob sich die Unter-welt
nach oben. Der Acheron brauste. Charon, der Höllenfährmann,
landete mit seinem Kahn. Der Kahn knirschte im Sand. Charon sprang ans
Ufer. Er fluchte: »Da lande ich in der Hölle –
mit einem leeren Kahn. Nicht eine schlechte Seele wartete heute an der
Überfahrt. Seit Jesus Christus dem Menschen erschienen ist, liegt
mein Hand- und Höllenwerk übel brach.« Er
wühlte im Beutel, der ihm am Gürtel hing. »Mein
Beutel ist leer. Nicht ein Fährpfennig. Zum Teufel mit der Tugend
der Menschen, wenn ich dabei zugrunde gehe. Ich hasse diesen Christus,
ich hasse Gott, ich hasse die Güte, die Sanftmut, die
Opferbereitschaft, die Wahrheit und die Liebe.« Er schlug
das Höllenzeichen und schrie: »He, Pluto,
Höllenfürst, erscheine! Charon, der
Höllenfährmann, wünscht dich in dienstwilliger
Ergebenheit zu sprechen.« Es donnerte. Die Nebel der
Unterwelt teilten sich. Ein Blitz riß die Dunkelheit
mittendurch wie einen schwarzen Samtvorhang, und Pluto wurde sichtbar
auf feurigem Thron. Charon beugte das Knie: »Voll
Betrübnis und Bitterkeit erscheine ich vor Deiner Majestät.


-10     пред. Страница 1 из 135 след.     +10