Störtebecker - Alfred Henschke - Страница 1 из 33


der Wind den blauweiß karierten Rock auf. Sie stand in einer
Tornische der Nikolaikirche, dickbäckig und dickbäuchig, die
grellroten Hände stemmte sie in die Seite und schrie:
Zwetschgen! Zwetschgen! Ein Echo von den Häusern her
höhnte: Zwetschgen! Zwetschgen! Der Wind fegte eine
Staubwolke über den Nikolaimarkt. Erst schlich sie über den
Boden wie eine Blindschleiche. Dann wuchsen ihr Flügel. Sie
rauschte auf und schlug wie der Vogel Phönix mit riesigen
Flügelschlägen gegen die bemalten Fenster der Nikolaikirche,
daß sie in den rostigen Angeln knarrten und der rote Sankt
Sebastian und der grüne Sankt Makarius ihre Farbe verloren und
braun bestäubt wie schmutzige Bettelmönche oder
Lebkuchenmänner im gläsernen Oval standen. Der Himmel
blinkte schwefelgelb wie ein Katzenauge bei Nacht. Der erste Blitz
zuckte seine silberne Geißel und peitschte die Wolken, daß
sie brüllend auseinanderstoben. Marlen stand in der Nische
und lachte. Der Regen sauste vor ihr nieder. Immer schneller
zuckten die Blitze. Sie legte die breite Hand auf ihren Bauch. Der
Herzschlag des Kindes, den sie schon spürte, und Blitz und
Donner: das war ein Schlag, ein Klang, das ging im gleichen Takt.
Das wird ein wilder Junge werden, ein Blitzjunge, ein Donnerbursche.
Blitz und Donner knallten und zischten ineinander. Eine schlanke
Feuersäule stieg auf. Der Blitz hatte in das Haus des Senators


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