Das silberne Auto - Annie Hruschka - Страница 1 из 160


Kriminalroman Zuerst erschienen: 1910
1 Am Abend eines milden Vorfrühlingstages
befand sich Hermann Hempel ausnahmsweise daheim in seiner Wohnung und
überließ sich zufrieden der Ruhe in einem sonst mit
Arbeitshetze angefüllten Dasein. Er schlenderte zwischen den
Käfigen seiner gefiederten Freunde, einer Anzahl mehr oder
weniger zahmer Vögel umher, die in dem großen Gartenzimmer
untergebracht waren. Ihre Behausungen hatte Hempel selbst
erdacht und mit Liebe und Geschicklichkeit so eingerichtet, daß
die gefangenen Tiere sich wie in ihrer natürlichen Umgebung
wohlfühlten. Knorriges Geäst und grüne Schlingpflanzen,
kleine Sandbecken und Wassertümpel bildeten eher einen belebten
fröhlichen Wintergarten als einen trübseligen
Vogelkäfig. Zudem strömten Luft und Licht zu den Türen
herein, die auf die Terrasse und in den etwas verwilderten Garten
führten. So hatte sich der Junggeselle Hermann Hempel sein Heim
geschaffen, das ihm Familie und Freunde ersetzen mußte.
Hier, bei der Pflege und Fütterung seiner Vögel, konnte er
auch seinen Beruf vergessen. Der Papagei und die Wellensittiche waren
die verständigsten Vögel und durften sogar hin und wieder
den Käfig verlassen und sich ihm auf die Schulter setzen. Der
jungen Eule, die er eines Morgens mit gebrochenem Flügel im
Gebüsch gefunden hatte, ließ er ein dunkles Eckchen
bauen, in dem sie sich langsam erholte, bis sie wieder freigelassen


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