Schüsse in der Nacht - Annie Hruschka - Страница 1 из 242


Seitenpförtchen, durch das sie aus dem Park ins Schloß
getreten war, hinter sich zu und drehte tief aufatmend den
Schlüssel um. Selbst die Sicherheitskette legte sie noch vor, so
unheimlich und ängstlich war ihr plötzlich zumute. War
das aber eine Nacht geworden nach dem schönen Abend vorhin!
Vor zehn Minuten noch rührte sich kein Blatt und der Vollmond wob
seine gleißenden Zauber über dem Park. Betäubend
schier, wie in Sommernächten, dufteten die letzten Rosen in der
schwülen, reglosen Luft. Dann ein fauchender Windstoß
wie der heiße Atem eines Raubtieres. In den Baumkronen raschelte
es, Aeste knarrten, dürres Laub tanzte in der Luft. Mond
und Sterne aber waren verschlungen von pechschwarzen Wolken, die tiefe
Finsternis über die Erde breiteten. Kaum daß Yolanthe mit
Hilfe der leuchtenden Blitze den Rückweg ins Schloß fand.
Nun stand sie erschauernd im Korridor, wo es unheimlich
still war, während draußen der Sturm sich zum Orkan
steigerte und die verrostete Wetterfahne auf dem Dach ächzend
knarrte, daß es wie Wehklagen und Hilferuf klang. Bebend
schlich Yolanthe die Haupttreppe hinauf nach dem breiten
hufeisenförmigen Korridor des ersten Stockwerkes, in dessen
rechtem Seitenflügel ihre und Schwester Maras Zimmer lagen.
Ihr Herz klopfte laut. Etwas wie Gespensterfurcht schnürte ihr
die Kehle zusammen, während sie sich im Dunkeln der Mauer entlang


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