Die verborgene Schrift - Anselma Heine - Страница 1 из 688


aus dem Elsaß
Meiner treuen Helferin im Elsaß
Gustel Bretzing
zugeeignet Erster Teil
Das Frühjahr 1870 war in Frankreich voll Sonne gewesen, Frucht
und Früchte hatten schier doppelt angesetzt, und die Erde stand
in Blumen. Aber die Wärme war allmählich zur Hitze geworden,
die Hitze zur Glut. Auf den Wiesen war das Gras verbrannt, im Obst auf
den Bäumen verkochte der Saft, nur der Weizen stand hoch und
golden unter dem blauen Himmel, voller Versprechungen. Ein farbiger
Hitzglanz zitterte über den Gebirgen, hier durchsichtig, dort
opalisierend wie fließendes Glas. Auch den elegant und
launisch geschwungenen Linien der Vogesen verlieh er ein seltsames
Leuchten, das unruhig hineinflimmerte in die kühlen
Waldtäler, die Weinberge, satten Felder, grünumfriedeten
Dörfer und Talstädtchen des Elsaß. Etwas Erregendes
lag darin, etwas, das die Leute aufrüttelte, sie frohmutig oder
traurig machte, je nach ihrem Temperament. In den ersten Tagen
des Juli marschierte auf der breiten Mauer des Zuchthauses in
Thurwiller ein kleiner »gars de Provence« gutwillig
seine Runden ab; vor und hinter ihm gingen, im Abstand von je hundert
Schritten, die anderen Wachtposten. Wie sie bunt und behende auf ihrer
Zinne daherschrittelten, bald durch die Pappeln des Wallrandes


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