Bruder Wurm - Arthur Holitscher - Страница 1 из 89


der hellen Nächte war schon vorüber; wir schrieben Mitte
August neunzehnhundertsiebzehn. An die zwölf Wochen hatten wir
nun in Stockholm gesessen und gewartet, daß der Kongreß
beginne. Der Kongreß der Internationale, der Proletarier aller
Länder. Der Kongreß, der zeigen sollte, daß die
Völker gewillt seien, den großen Krieg zu beenden.
Schluß und nie wieder! Wir stellten ein kleines, buntes
Völkergemisch vor. Es waren Delegierte, Journalisten,
Geschichtsschreiber, Menschenfreunde aus den kriegführenden und
den neutralen Ländern gekommen. Da wir einander während
dieser zwölf Wochen einigermaßen kennengelernt hatten, fiel
es manchem bereits schwer, »wir« zu sagen. Einer und der
andre ging seiner Wege und sagte lieber »ich«. Mit den
Völkern draußen verhielt es sich ja ebenso. Zwei
Ämter gab es in der Stadt; das eine hieß:
»Holländisch-Skandinavisches Komitee« und das andre:
»Bureau des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrates«. Aus
diesen beiden Ämtern flatterten unausgesetzt Manifeste und
Bulletins in die Welt hinaus, wie Brieftauben aus einem
Posttaubenschlag. Irgendwo in der Welt stand eine stumpfe Mauer, an
die flogen sie an, an der zerschlugen sich die beschwingten
Wünsche und Gedanken und wirbelten zu Boden nieder; armselige
Papierfetzen, gut genug, um von einem späteren Chronisten mit
der Harke in den Sack hineingefegt zu werden, in dem der Abfall des


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