Essays zu Kunst und Literatur - Arthur Holitscher - Страница 1 из 95


Vor einem Bild des Bauern-Brueghel Darf man in einem
Kunstwerk Rechenschaft fordern für Unbill, die das Leben einem
angetan hat? Wenn ein Buch das Leben, das man gelebt hat, behandelt,
darf man dies wohl. Ja, man darf sich nicht gut darum
herumdrücken. Es ist keine Rache, die man nimmt, wenn man die
Wahrheit berichtet. Der Gesichtswinkel aber, unter dem man die
Ergebnisse eines Lebens betrachtet, mag Schärfe und
Intensität der Darstellung bedingen. Ist Leben Kampf, so habe ich
keine andere Waffe, um in ihm zu bestehen, als meine Feder, mit der
ich Wort an Wort reihe. Die Anderen haben ihre Waffe. Ihr Geld.
Ihre Zunge. Die Verbindung mit ihresgleichen, die Freimaurerei ihrer
Gesinnungsgemeinschaft, Interessengemeinschaft, ihrer Gemeinheit. Die
Dummheit, die große menschliche Dummheit, die sie, statt ihr
durch eigene Klugheit und Weltgewandtheit abzuhelfen, schlau
ausnützen, um sich Macht zu verschaffen. Meine Feder ist im
Feuer gesäubert. Ich brauche sie mit reinem Gewissen. »Mein
ist die Rache, spricht der Herr«?? Jawohl, der Herr der Rache
ist auch der meine. Kein »lieber Gott«. Wie oft hörte
ich das Wort »mein ist die Rache«, wie oft hörte ich
es vorwurfsvoll aus dem Munde von Schurken. Dem christlichen Menschen,
der es gebraucht, zu seinem Schutz anführt, erwidere ich:
bist du, lebst, fühlst, handelst du nach Christenart,
Christengebot, so hast du nichts begangen, wovor du zittern


-10     пред. Страница 1 из 95 след.     +10