Schlafwandler - Arthur Holitscher - Страница 1 из 115


  Drei weiße Schiffe kamen von Süden her
übers Meer gefahren. Am Horizont wehten ihre Rauchfahnen in eine
einzige zusammen. Als die kleine, langgestreckte Insel in Sicht kam,
trennten sich ihre Wege. Das erste schwamm eilig den Sund hinauf die
Küste des Festlands entlang. Das zweite bog westwärts ab,
hinaus in die freie See. Das mittlere glitt in bedächtiger Fahrt
auf den Landungssteg der Insel zu, um dort kurz zu verweilen und dann
im abendlichen Meer, mit Laternen am Mast und der Back,
unterzutauchen, für Sekunden noch von dem fliegenden Strahl des
fernen Leuchtturms entdeckt und bestrichen. Auf dem Verdeck des
kleinen Dampfers, der mit Fässern, Holz und Häuten fuhr,
gingen ein paar Reisende auf und ab. Es war schon spät im Jahr,
und das Reisen hatte fast schon aufgehört. Für manche aber
hört es nie auf. Diese halten auf ihren Fahrten die Augen so
gierig offen, als müßten sie sie nach kurzer Frist zum 6
letztenmal schließen und sich daher rasch noch mit allem
anfüllen, was es auf der Welt zu sehen gibt. Es gibt so
vieles zu sehen auf der Welt, und alles ist neu und sonderbar. Jeden
Augenblick aufs neue neu und sonderbar. Man kann von den
alltäglichsten Dingen nicht genug in sich aufnehmen. Was aber
die Reisenden auf dem Verdeck zu sehen bekamen, war gewiß nichts
Alltägliches. Die kleine Insel kam in Sicht, im glasklaren
Herbstlicht lag sie da, wie ein schmächtiger grüner Strich,


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