Norika - August Hagen - Страница 1 из 235


war Nürnberg das deutsche Venedig!« sagt mein großer
Ohm Gottsched, der aus Furcht, die Voluten seiner
Kandidaten-Perücke mit dem Grenadierzopf zu vertauschen, die
Vaterstadt floh. Wenn nur Handel und bürgerlicher Wohlstand
berücksichtigt wird, so kann das Urteil dieses Mannes nicht
angefochten werden, den Pinkerton noch im Jahre 1811 als den
größten Kritiker der Deutschen rühmt. Betrachten wir
aber die Blüte der Kunst, so verdient Nürnberg das deutsche
Florenz genannt zu werden, welchen Namen ein anderer heimischer
Dichter von anderem Gehalt einer andern deutschen Stadt zuerkannte.
Wenn auch einzelne Strahlen der Kunst in verschiedenen Örtern
Italiens früh aufleuchteten, so vereinigten sie sich in Florenz
zu einem Lichtquell, aus dem die Stifter verschiedener Malerschulen
Erleuchtung schöpften. Florenz war die Pflanzschule aller
Künste, das wetteifernd mit unverwelklichen Kränzen den Ruhm
seiner hochsinnigen Herrscher schmückte. Auf gleiche Weise gedieh
in Nürnberg die deutsche Kunst zu nahmhafter Würde durch
rege Wechselwirkung, die daselbst von einem edlen Aufwande gepflegt
in einer zunftgemäßen Gesetzlichkeit eigentümlich sich
entfaltete.Die Vergleichung des Kunstlebens in Florenz und
Nürnberg kann man auch nicht ungeschickt zwischen einzelnen
Künstlern dieser Städte durchführen, wie zwischen
Lionardo da Vinci und Albrecht Dürer. Beide, von einem
unvergleichlich ehrwürdigen Ansehen, lagen nicht einer, sondern


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