Das Dijon-Röschen - Carl Gottlieb Samuel Heun - Страница 1 из 182


1. Lichte Wolkenschleier, von
Nachtlüftchen leise getrieben, zogen vor dem Monde vorüber.
Er schien voll und freundlich auf mein Lager, auf dem ich, ohne Schlaf
und Ruhe zu finden, mich ausgestreckt hatte, und mit meinem
tückischen Geschicke bitter schmollte. 2. Mein ganzes
Jugendleben hindurch hatte ich mit Armuth und Entsagungen aller Art
gekämpft. Auf der Schule verdiente ich durch Unterricht in der
Musik, und durch das, aller Verwünschung werthe Singen im Chor
auf den Straßen, meinen knappen Unterhalt; durch einige
kärgliche Stipendien aber ward es mir möglich, nach dem Tode
der Eltern, auf der Akademie die Rechts- und Kameralwissenschaft zu
studiren. Die Collatoren dieser beiden Stiftungen ließen mich
auf tausendfache Weise die Wohlthat dieser Unterstützungen weit
über ihren Werth fühlen, und suchten alles hervor, um sich
in meinen Augen wichtig zu machen. Diesem ging ich zu geputzt, Jenem
verwendete ich zu wenig Aufmerksamkeit auf mein Äußeres;
der eine klagte über meinen Mangel an Sitzfleisch, während
der andere mich einen Stubenhocker nannte. So machte ich es keinem
recht, und jeder hielt mich in drückender Abhängigkeit, die
ich, aller anderen Hilfmittel und Aussichten beraubt, geduldig ertrug;
und ich bückte mich vor meinen sogenannten Wohlthätern, als
wären sie die alleinigen Götter meines Glücks. 3.
Meine akademische Laufbahn war beendigt. In der ganzen Welt keinen


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