Die Gräfin Cherubim - Carl Gottlieb Samuel Heun - Страница 1 из 249


Erstes Bändchen. Das Marienbild.
Der Hausmarschall, von der Last mehrerer ihm bereits ertheilten
Aufträge niedergedrückt, verbeugte sich tief, und wollte das
Kabinet verlassen, aber der Fürst rief: »Noch eins! –
Kennen Sie dieß Gesicht?« und reichte ihm ein
Miniaturgemälde, was auf dem Schreibtische unter Papieren
verborgen gelegen hatte, und dem Gefragten lächelte ein mildes
Engelsköpfchen entgegen. »Was meinen Sie dazu?«
sagte der Fürst, sich an des Mannes lebhaftem Entzücken im
Stillen ergötzend. »Das ist ein wahres
Marienbild,« entgegnete der Marschall, denn ein solcher Zauber,
eine solche himmlische Lieblichkeit durfte unter den Sterblichen der
wirklichen Welt schwerlich gefunden werden.« »Doch,
doch,« erwiederte der Fürst mit sichtbarem Antheil.
»Es ist – ich sage Ihnen etwas, was hier noch Niemand
weiß, und Zagern, Sie werden mein Vertrauen zu ehren wissen
– es ist« – er zögerte, das Wort auszusprechen,
als möchte er das Geheimniß nicht gern preis geben, und
müsse es doch, wenn er zum Zweck wolle – »es ist
hoffentlich meine künftige Schwiegertochter!« Zagern
hob das Auge auf zu seinem Herrn, als traue er seinem Ohre nicht. Mit
einem entfernten Hofe, auf dessen Kreise er früher seine Frau
geheirathet hatte, stand er seit Kurzem in den allergeheimsten
Unterhandlungen, die auf die Verbindung des Prinzen Ewald mit


-10     пред. Страница 1 из 249 след.     +10