Der letzte Wille - Carl Hauptmann - Страница 1 из 33


Stübel war hell und reinlich, und es hingen rote, saubere
Gardinen vor den kleinen Fenstern – die doppelt rot aussahen,
weil Schneeflocken draußen davor tanzten, und das ganze, enge
Tal und weit hinaus die Berge weiß waren – weiß und
schneidend kalt und eisig. Ja, für Reinlichkeit im Häuschen
sorgte die Junge, ein blondes, kräftiges Frauenzimmer im roten
Rocke, die einen etwas vorstehenden Mund und große, gesunde
Zähne hatte und dazu, wenn sie einmal lachte, um ihrer blauen,
hellen Augen willen einen Hauch von jungfräulicher Lieblichkeit
gewann, der nur zu rasch wieder unter einem barschen Alltagsblick
verschwand. Und gegenwärtig gab es nicht nur all' die stummen
Mühen einer solchen, in der Enge der Schlucht eingekeilten
schiefen Dorfhütte, worin die niedrige, große Stube und der
spinnwebige, dunkle Stall, der Abtritt und der Schweinekoben, alles,
friedlich bei einander liegen. Es gab unsägliche Unruhe und
Aufregung, und die junge Sender, des einzigen Sohnes Frau, sprach
wirklich aus Wut den ganzen Tag kein Wort – aus Wut und auch aus
Furcht. Sie machte ihre Arbeit, sorgte für die Sauberkeit, kochte
der kranken Schwiegermutter, was an Umschlägen und Tee zu kochen
war, soweit der Vater nicht selbst um die Kranke hin und her ging
– und hütete sich, so lange nicht der eigene Mann aus der
Waldarbeit am Feierabend daheim war. Und wenn der abends eingetreten,
war ihr Herz in Groll so vollgespeichert, daß sie dessen eigene


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