Drei Frauen - Carl Hauptmann - Страница 1 из 17


ein altes Seidenhaus, im ganzen Schweizerlande berühmt. Die
alten Fumfahrs hatten allerlei Reichtümer. Einen großen Hof
oben in den letzten Bergtälern, der Alm nahe. Ein ganz neu
erbautes Schloß am Genfer See. In blaubesonnte Täler
blickend. Und jenseits in die blaßblauen Riffe von Fels und Luft
und Schnee. Unten weit lagen die zitternden Spiegelungen, von
verstreichenden Boot- und Dampferspuren ewig durchzeichnet. Aber
die alten Fumfahrs waren tot. Das alte Seidenhaus lebte noch. Es
hatte einen anderen Inhaber. Der große Hof oben in den letzten
Bergtälern der Alm lebte noch, von Weidevieh umbrüllt, von 6
einem alten Schäfer bewacht. Und das Schloß am See stand,
die hohen Fenster verhangen. Von den Fumfahrs lebte nur noch
Rebekka Fumfahr, die ein schönes Mädchen war. Und die jetzt
im Schutze einer pflegenden Schwester Tag und Jahr zubrachte.
Schwester Lotte war eine blonde Kapitänstochter. Mit einem immer
unentschlossenen, immer prüfenden und fragenden Munde. Aber mit
grauen Augen, die wie ein Pfeil in die Dinge schossen. Und alles
erkannten bis in den letzten Winkel. Rebekka Fumfahr hatte erst an
Schwester Lotte einen leidenschaftlichen Halt 7 gefunden wegen der
tiefen Kraft und Mildtätigkeit dieser Augen. Weil darin auch das
Wunder lebte, das den gejagten Menschen tröstet. Aber ich
muß erst erzählen, wie ich zu meiner Wissenschaft
überhaupt gekommen bin. Ich hatte auf meiner


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