Einhart der Lächler - Carl Hauptmann - Страница 1 из 387



Erstes Buch 1 Wenn jetzt einmal die Seelen von Einharts
Vater und Mutter rein für sich gegeneinander klangen, was fast
nie mehr geschah, war es nur eine monotone Dissonanz. Laut oder
heimlich. Einharts Vater war ein gewichtiger Ordnungsmann, schon als
er die junge, wohlhabende Zigeunerdirne heiratete. Er war ein peinlich
pflichtgetreuer Beamter, der damals schon eine höhere
Postverwaltungsstelle in einer kleinen Stadt versehen, ein Mann von
strengen, soldatisch gebundenen Formen im Umgang, mit scharfen,
schwarzen Augen, die wenig und kurz lachten, so nebenhin nur, die
selten aus der Würde kamen – mit einem dunklen, strengen
Schnurrbart, der so voll stand, daß die Hand sich nie um ihn
kümmerte, die schon damals steif herabhing ohne Geste, wenn sie
nicht eifrig und flüchtig mit dem großen Rohrhalter ihre
Arbeit tat – oder auch leicht gebieterisch sich streckte, wenn
Herr Selle Anordnungen gab, oder etwas verwies. Wenn jetzt, in
den wirklichen Widerwärtigkeiten mit Einhart, Herr Selle erregt
im Zimmer hin und her ging, mußte er die Hände auf dem
Rücken fest zusammennehmen, so gleichsam sich selbst noch mehr
bindend, daß er nicht doch einmal seine Würde ganz
vergäße und dreinschlüge unter die phantastische,
traumäugige Zigeunerbrut. So wenigstens deuchte es
jetzt dem alten Herrn, wo Einhart ein Jüngling geworden ganz mit


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