Haß - Carl Hauptmann - Страница 1 из 9


gezaust wie bei einem Ziegenbock, hing ihm unterm Kinn, das Gesicht
war erdig fahl, rauchig und mager und die bösen, kleinen Augen
sahen unter weißen Borsten hervor. Wenn er auf seinem Schemel
saß, wo Rauch und Dunst ewig aus den unverschmierten
Ofenlöchern stieß, in der großen Eckstube im
Armenhause, fiel ein roter Feuerschein aus einer Ofenritze von unten
auf das alte Bocksgesicht, und der Kienspan gab sein warmes Licht von
oben, daß sich der siebenzigjährige Bösewicht aus dem
qualmigen Dunkel wie in Glanz heraushob. Seine Hände waren
schwarz und mager, reine Knochenhände, die rastlos mit den
Birkenruten und dem langen Strick zu schaffen hatten, der von der
Decke zwischen seine Beine hing, und womit er die Zweige jedesmal zum
Besen zusammenzog. Der alte Sohnrey hatte einen satanischen Blick,
kalt und verkniffen, ganz nur so um die Ecke und wie für sich
nebenher. Er hatte niemandem im Leben getraut, freilich auch niemand
ihm. Ein Harter. Wie er jung war, machte er gleich Streit und
fragte nicht lange, wo er in der Hast hinstach. Sobald etwas einmal im
Gange war, mußte er sehen, wo er bliebe. Es hatte auch bei ihm
manches Zeichen im Fleische. Ein paar alte Narben saßen in der
Stirnhaut dicht beim Auge; sein Kinn mußte auch einmal ein wenig
geklafft haben. Und dann war seine Greifhand tüchtig im
Messerkriege gewesen; ein Schnitt mitten in die Handfläche hatte
die Sehnen getroffen, weil er seines Gegners Dolchmesser mit der Hand


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