Heimstätte - Carl Hauptmann - Страница 1 из 54


Spätsommersonntagsstille oben über dem Bergwald – wo
dann Haiden und Krummholzbüsche zum Kamme emporklettern –
im Schlage, wo alte knorrige Wetterfichten vor kurzem festgestanden
hatten und nun nur noch die Wurzelstöcke aus dem
aufgewühlten Boden ragten. Zwischen Blöcken und Stöcken
blühten und glühten Weidenrosen. Die grünen
Blaubeerblättchen und tausend kleinen Kräuter glänzten
weithin wie in Silber, über die die roten Blüten gestreut
schienen in stiller Sonnenfreude. Es war klar weithin in die tiefe,
ferne Welt – und lautlos einsam. Nur Axtschläge hallten und
ein Spechtlachen klang. Ein Grüner und ein Schwarzer kamen in
wogendem Fluge in der freien, frohen Sommerlust, suchten den Stamm der
einzeln inmitten des Schlages verschont gebliebenen Fichte, die bis
zum kleinen Wipfel astkahl war. Ein jeder Vogel saß emsig am
Stamme, eilte ringsum, das Köpfchen rückwärts gestaut
wie einer, der seine Zeitung weit halten muß, um sicher zu
sehen, das schwarze Köpfchen aus dem hellgrünen
Jägerkleide nun neugierig noch einmal zurückwendend in die
einsame, sonnendurchwirkte Halde – der Grüne – und
dann laut und eilig pochend, daß weithin eilfertig der
Doppelschlag der beiden lustigen Schweber hörbar über die
Halde klang. Nun flog einer – dann der zweite in stoßenden
Wellen weiter dem Walde zu. Es war ein Morgen, als wäre man nicht
aus Erde, nur aus Licht und Lust geboren. – Rubener und


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