Kinderspott - Carl Hauptmann - Страница 1 из 11


Dorfe ein Kinderspott, und die großen Bauern sahen ihn nicht an.
Oder wenn sie ihn doch eines Blickes würdigten, war es, weil sie
auch Lust spürten, mit ihm Schindluder zu treiben, wie die langen
Bauernjungen. Er hieß Gebauer und war einmal selber eines Bauern
Sohn gewesen, aber er war ganz allmählich durch Krankheit und
auch durch Unglück herabgekommen. Den Hauptstoß hatte ihm
gleich anfangs gegeben, daß ein Bruder, mit dem und einigen
Schwestern er das Vatererbe versah, sich plötzlich eines Tages
auf dem Scheunenboden aufgehängt hatte, und seitdem kein Halten
mehr gewesen in der kleinen Wirtschaft, weil er zum Herrn nun einmal
nicht geboren schien. Die Schwestern hatten geheiratet, und er kam
schnell immer mehr unter die Räder, wie er es jetzt noch manchmal
lachend nannte. Jetzt wohnte er seit Ewigkeiten bei Verwandten, bei
elenden, kleinen, verwahrlosten Leuten mit einer ganzen Schar
halbwüchsiger, frecher Mädels und einem Burschen, die daheim
um die Mutter gingen wie die Küchlein um die alte Henne, obwohl
sie stark aussahen zu jeder Arbeit und das Zeug gehabt hätten,
Wohlhabenheit ins armselige, schmutzige Stübel zu bringen. Aber
Bett und Sofa und Schrank und Stuhl waren verfallen und vernutzt, und
Mensch an Mensch auf Tisch und Stuhl gelümmelt und
gelätschelt, und die einzige zarte, bleiche Mutter, die um
Ofenbank und Röhr umging, sah immer gutmütig, mit fast
belustigtem Lächeln aus wirklich schönen Augen auf ihre Brut


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