Stummer Wandel - Carl Hauptmann - Страница 1 из 11


Väterei, ein uraltes Bauernhaus, mächtig, mit langer Front
und ungeheurem Dachausbau, ein Giebel breit und hoch unter einem
alten, nun halb zerborstenen Pappelbaum. In weißem Grunde die
Balken in Schwarz, daß das Holzgeäder die Wände in
Felder einteilte – die durchsetzt waren mit schwarzen
Querbändern, und in den mächtigen Wänden kleine
Bauernfenster zu ebener Erde und oben, wo die leeren Stuben unheimlich
sich dehnten, in deren einer allerhand Gold- und Silberkränze
unter Glas und Rahmen hingen, in deren anderen Stroh herum lag, und
nichts stand, als ein alter, zerbrochener Schrank, ein bunter Schub
mit einem Brautkranz und Brautkleid der Großmutter drin –
nichts sonst – und wo im Winter die alte, fromme
Großmutter Gebauer ihre Birnen und Äpfel auf Stroh
hinbreitete, lange mit gefalteten Händen besichtigte und Gott
für den Segen dankte. Und oben war ein weiter, weiter, schier
endlos scheinender Dachraum, hoch – und die Bretter im ganzen
Hause krachten, wenn man hinaufstieg, und es war dunkel und öde,
daß Eva sich hinter der Großmutter dicke Röcke
einhuschte, und die Großmutter fast schalt, wenn sie dabei im
Gehen behindert war, und beide, sie und die Magd, den Wäschekorb
auf der Treppe abhocken mußten. Und um das Haus, dem der
Großvater noch einen neueren Scheunenbau mit Stall vor die
Tür gesetzt hatte, lag in grauem Mauerwerk ein mächtiger
Obstgarten – und weit und breit Felder – nichts sonst. Ein


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