Aus meiner Jugend - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 48


besaß zur Zeit meiner Geburt ein kleines Haus, an das ein
Gärtchen stieß, in welchem sich einige Fruchtbäume,
namentlich ein sehr ergiebiger Birnbaum, befanden. In dem Hause waren
drei Wohnungen, deren freundlichste und geräumigste wir
einnahmen; ihr Hauptvorzug bestand darin, daß sie gegen die
Sonnenseite lag. Die andern beiden wurden vermietet; die uns
gegenüberliegende war von dem alten Mauermann Claus Ohl nebst
seiner kleinen krummen Frau bewohnt, und die dritte, zu der ein
Hintereingang durch den Garten führte, von einer
Tagelöhnerfamilie. Die Mietsleute wechselten nie, und für
uns Kinder gehörten sie zum Hause wie Vater und Mutter, von denen
sie sich auch, was die liebreiche Beschäftigung mit uns anlangte,
kaum oder gar nicht unterschieden. Unser Garten war von andern
Gärten umgeben. An der einen Seite befand sich der Garten eines
jovialen Tischlermeisters, der mich gern neckte und von dem ich noch
heute nicht begreife, wie er, was er doch später tat, sich selbst
das Leben nehmen konnte. Ich hatte einmal als ganz kleines
Bürschchen mit altklugem Gesicht über den Zaun zu ihm
herüber gesagt: »Nachbar, es ist sehr kalt!« und er
wurde nicht müde, dieses Wort gegen mich zu wiederholen,
besonders in den heißen Sommermonaten. An den Garten des
Tischlers stieß der des Predigers. Dieser war von einer hohen
hölzernen Planke eingefaßt, die uns Kindern das
Überschauen verwehrte, nicht aber das Durchblinzeln durch Spalten


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