Barbier Zitterlein - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 35


1. Es war Abend, und der Barbier Zitterlein saß an
seinem Tisch. Eine helle Lampe brannte auf demselben und beleuchtete
das Gesicht des langen, dünnen Mannes, der sich um das Abendbrot,
welches seine Tochter Agathe auftrug, wenig bekümmerte. Die
Tochter setzte sich an den Tisch und klimperte, um den Vater aus
seinen Gedanken zu wecken, mit den zinnernen Löffeln; endlich
sagte sie leise: »Vater, wollt Ihr nicht essen?«
»Jawohl,« antwortete Zitterlein und rückte näher
zum Tische. »Eine Biersuppe? ach, du liebes, treues
Kind!« Beide fingen an zu essen. Zitterlein fiel in sein
vorheriges Stillschweigen zurück und aß nur wenig; Agathe
sah ihn zuweilen mitleidig an, bald legte auch sie den Löffel
nieder und begann, den Tisch abzuräumen. »Bist du schon
satt, Agathe?« fragte der Vater und heftete einen glühenden
Blick auf sie. »Ihr wißt, ich esse zur Nacht nicht
viel,« antwortete Agathe, »aber Ihr, Vater, Ihr solltet
die schöne, kräftige Suppe nicht so verschmäht haben,
denn Ihr eßt sie gern, und sie tut Euch wohl.«
»Du hast recht, mein Kind, und ich sollte es um so weniger getan
haben, als dies der letzte Abend ist, wo wir so recht innig beisammen
sind!« »Der letzte Abend?« fragte Agathe und sah
ihren Vater erstaunt an. »Freilich der letzte,«
– antwortete dieser – »du weißt, morgen hole
ich den Gesellen, und dann ist das vorbei!« »Mein


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