Die Kuh - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 7


niedrig und auch etwas räucherig war, weil es dem Hause nach dem
herkömmlichen Brauch des Dorfs am Schornstein fehlte, saß
der Bauer Andreas an dem noch vom Großvater herstammenden alten
eichenen Tisch und überzählte vielleicht zum neunten Male
ein kleines Häuflein Taler-Scheine. Er hatte die Pfeife im Munde,
und daran konnte man sehen, daß es Sonntag sei, da er sich die
mit dem Rauchen verbundene kleine Zeit- und Geldverschwendung bei
seiner knappen, ängstlich-genauen Natur an keinem anderen Tage
erlaubt haben würde; sie brannte aber nicht und war auch noch gar
nicht angezündet gewesen, obgleich das Talglicht, wobei es hatte
geschehen sollen, schon lange geflackert haben mußte. Um ihn
herum, bald zum Vater auf die Bank kletternd und ihm ernsthaft
zuschauend, bald den durch die offenstehende Tür aus- und
einwandernden gravitätischen Haushahn jagend und neckend, spielte
sein Kind, ein munteres, braunes Knäblein von zweieinhalb bis
drei Jahren. »Den da« – murmelte Andreas und hielt
einen der Scheine mit sichtlichem Behagen in die Höhe –
»bekam ich für die Fuhre Sand, die ich dem Maurermeister
Niclas in die Stadt lieferte, als es, wie mit Mulden, vom Himmel
goß; ich kenne ihn an dem Riß. Ein braver Mann; ich hatte
ihm einen Groschen wieder herauszugeben, aber er ließ mir den
wegen meiner durchnäßten Haut. Freilich, einen Schnaps habe
ich nicht dafür getrunken, wie er wollte!« »Diesen


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