Die Obermedizinalrätin - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 5


»Bon soir, Hauptmann. Was fehlt dir heute abend? Gibt's kein
l'Hombre, kein Whist? Ist die Zeitung ausgeblieben? Unwohl kannst du
dich nicht fühlen, Krankheiten sind gegen deine
Grundsätze!« »Ich denke eben an dich,
Obermedizinalrat!« »An mich? – Erlaube,
daß ich mir eine Zigarre anzünde; kann ich dir dienen? Es
sind echte Havanner, ein Geschenk aus Hamburg. An mich denkst du?
Weißt du auch, daß das feierliche Gesicht, womit du mir
das sagst, mir Schrecken einjagen könnte? Was ist's denn mit mir,
erzähl' mir etwas Neues von mir, Freund!« »Oder,
wenn du lieber willst, an deine Frau!« »An meine Frau?
Immer besser. Du bist in sie verliebt gewesen, früher als ich,
das war vor dreißig Jahren. Ich lief dir den Rang ab, weil ich
ein impertinentes Nasenbluten, das sich auf einem Ball einstellte
– weißt du noch, der alte Bankier Jagemann gab den Ball
– zu vertreiben verstand. Ich erinnere mich, du gratuliertest
mir mit ungefähr solch einem Gesicht. Ist doch kein Rezidiv
eingetreten? Julie hat jetzt graue Haare, ehrwürdiger Seladon,
obgleich sie es selbst nicht weiß.« »Ich
möchte ein ernsthaftes Wort mit dir reden, Ludwig!«
»Ein ernsthaftes Wort? Ganz meine Passion nach dem Abendessen.
Erlaube nur noch einen Augenblick, das Sofakissen ist
heruntergerutscht; und das entbehre ich ungern hinter dem Rücken.
Nun kannst du immerhin beginnen.« »Man spricht
allerlei über deine Frau.« »Also, man spricht


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