Ein Abend in Straßburg - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 4


Reisebeschreibung. (1837) »Du bist blaß, was fehlt
dir?« fragte der Freund. Hastig trank ich den roten Wein, schob
das Glas zurück, und eilte stumm hinaus, das glühende Herz
in Nacht und Sturm zu kühlen. Brütend lag die Nacht
über der großen Stadt, schauerlich hohl blies der Sturm
hoch in den Lüften über die Häuser hinweg,
kümmerlich und trist, wie Lampen, die schlecht unterhalten
werden, flimmerte hie und da ein ängstlich-einsamer Stern. Es
gibt Stunden von entsetzlicher Tiefe, Stunden, vor denen wir
zurückschaudern, und denen wir doch nicht entfliehen können.
Da ziehen die unheimlichen Gewitter der Natur an uns vorüber,
jene abscheulichen Kräfte, die in öder Finsternis auf
Kirchhöfen in vermodertem Fleisch und Bein längst
verglühtes Leben in ekelhafter Wiederholung travestieren, jene
Kräfte, die in die heisere Kehle des Raben manch grausiges
Geheimnis, was sie den Elementen und den Sternen ablauschten,
niederlegen, damit er es dumm und schwatzhaft hineinrufe in die
lautlose Mitternacht. Da zittern wir, es könne sich
urplötzlich ein schauderhaftes Organ für die Wahrnehmung all
des wüsten, schadenfrohen Spuks, durch seine furchtbare Nähe
aus dem Traumschlummer hervorgerufen, in den Tiefen Leibes oder der
Seele erschließen; wir lachen, wir beten und fluchen, und uns
wird alles vergeben, denn wir wissen nicht, was wir tun. Solch eine
Stunde war's, die mich unstät und flüchtig durch die


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