Eine Nacht im Jägerhause - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 15


»Kommen wir denn nicht bald nach D.?« rief Otto ungeduldig
seinem Freude Adolf zu und fuhr heftig mit der Hand nach seiner linken
Wange, weil er sich an einem Zweig geritzt hatte. »Die Sonne ist
längst hinunter, die Finsternis kann kaum noch größer
werden, und die Beine wollen mich nicht mehr tragen.« –
»Ich glaube, daß wir uns verirrt haben«, entgegnete
Adolf übermütig, »wir müssen uns wohl darauf
gefaßt machen, die Nacht im Walde
zuzubringen!« –»Das habe ich längst
gedacht«, versetzte Otto ärgerlich, »aber du
weißt allenthalben Bescheid, auch da, wo du nie gewesen bist.
Hungrig bin ich auch wie der Wolf, wenn er ein Schaf blöken
hört.« – »Ich habe noch eine Semmel in der
Tasche«, erwiderte Adolf, indem er darnach zu suchen begann,
»doch nein«, setzte er sogleich hinzu, »ich habe sie
dem ausgehungerten Schäferhunde zugeworfen, der an uns im letzten
Dorf vorüberschlich.« Eine lange Pause, wie sie nur
dann unter Studenten möglich ist, wenn sie bis aufs Blut
ermüdet sind, trat ein. Die Freunde wanderten, sich beide gereizt
fühlend und sich beide dieser Kleinlichkeit schämend, bald
stumm, bald pfeifend, nebeneinander hin. »Nun fängt's auch
noch zu regnen an!« begann Otto endlich wieder. »Wer eine
Haut hat, fühlt es«, versetzte Adolf, »aber wenn mich
mein Auge nicht täuscht, so seh' ich drüben ein Licht
schimmern!« –»Ein Irrlicht, was wohl
anders!« sagte Otto halblaut. »Es wird hier an


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