Herr Haidvogel und seine Familie - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 19


(1847) »Nun, warum laßt ihr die Köpfe so
hängen? Lustig, wie ich es bin!« Mit diesen Worten trat
Herr Haidvogel, an einem Winterabend aus der Stadt zurückkommend,
in seine enge Stube, in der seine Frau, von den beiden durch die
Dunkelheit geängstigten Kindern endlich dazu gedrängt, eben
die Lampe angezündet hatte. »Warum siehst du mich nicht
an?« – fuhr er fort und stellte sich vor seine Frau hin,
die allerdings ihr kleines, frierendes Mädchen streichelnd,
keinen Blick für ihren Mann zu haben schien; –
»ziehst du wieder, wie gewöhnlich, im stillen einen
Vergleich zwischen mir und dem Quacksalber von Doktor, der auch einmal
hinter dir herlief? Danke Gott, daß du mich statt seiner
bekommen hast, denn ich lebe doch wenigstens noch. Ihn hat heute
mittag der Teufel geholt, und eine halbe Stunde darauf, als ich gerade
an seinem Hause vorbeikam, nagelte der Vergolder, der noch von nichts
wußte, den neuen Schild mit den ellenlangen Buchstaben, das ihm
die Kundschaft verdoppeln sollte, über seiner Tür
fest.« – »Er ist –?« fragte die
Frau, ihr Auge zum erstenmal ein wenig erhebend, während ihre
Hand von dem Haupte des Kindes herabglitt. »Tot!« –
versetzte Herr Haidvogel schadenfroh schnell – »so
gewiß tot, als ob er einen seiner eigenen Dekokte verschluckt
hätte. Ja, der wird mich mit seinen ostindischen
Taschentüchern nicht mehr ärgern, die er, wenn er des
Morgens hier vorüberging und mich am Fenster stehen sah, immer im


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