Märchen - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 14


schönen, hellen Nachmittag, da stand Assad, ein junger
Türke, der vor wenigen Tagen zum ersten Male die
unermeßliche Stadt Bagdad betreten hatte und sich nun mit stets
gesteigertem Erstaunen unter all ihren Wundern erging, vor der Bude
des reichsten und angesehensten Juweliers. Mit inniger Lust versenkte
er sich in das mannigfaltige glühende Leben, das, in Strahlen und
Farben sich offenbarend, die edlen Gesteine durchflammt. »Oh,
Edelstein,« rief er voll Entzücken aus, »wohl mit
Recht bist du erkoren, die Kronen der Könige zu schmücken,
denn in dir ist alles Herrliche zugleich zusammengedrängt und
geläutert, der flüchtige Sonnenstrahl ist gefangengenommen
und in deinen geheimnisvollen Kern eingeschlossen; die schnell
verlöschende Farbe feiert in dir ihre Verklärung und
empfängt Unsterblichkeit, die reinen himmlischen Elemente, Luft,
Feuer und Wasser vermählen sich in deinem Glanze! Hier steh' ich
an der Grenze der Natur, hier ist das letzte, höchste Produkt der
schaffenden Kräfte, weiter – schauernd fühlt es der
Geist – kann die Unendlichkeit selbst nicht.« Der
Juwelier, ein gutmütiger Mann, der für seine Kunst
enthusiastisch eingenommen war, stand gerade in der Tür und
empfand großes Vergnügen über die begeisterten Worte,
die aus dem Munde des Jünglings hervorgingen. Er trat, bisher
ungesehen, lächelnd zu ihm heran, öffnete den Kasten,
ergriff seine Hand und steckte ihm einen schweren Ring an den Finger.


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