Matteo - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 18


junger Mann, der, obwohl von niedriger Herkunft, und nicht mit
besonderen Talenten ausgestattet, sich durch seine Dienstbeflissenheit
und sein stilles, bescheidenes Wesen angenehm zu machen und Vertrauen
zu erwecken wußte. Man trug ihm in Genua, wo er lebte, allerlei
Verrichtungen auf, die er fleißig und treu besorgte; man lohnte
ihm gut, und er war mit seiner beschränkten Lage so zufrieden,
daß er sich in seinen Gebeten vom Himmel nichts erflehte, als es
ewig zu behalten, wie er es hatte; er war einer der Glücklichen,
die im Leben selbst die Aufgabe des Lebens sehen. Matteo wurde
krank, die bösartigsten Blattern befielen ihn und er mußte
viel leiden. In seiner Krankheit erweiterte sich auf einmal der Kreis
seiner Wünsche. »Wie schön wäre es, wenn jetzt
ein liebendes Weib an deinem Lager säße, und deine
Schmerzen zu lindern, deine Ungeduld zu beschwichtigen suchte!«
So dachte er, als er blind daniederlag, und malte sich in seiner
Einsamkeit dies reizende Bild mit Behagen aus. Dicht neben ihm wohnte
eine bejahrte Witwe, mit ihrer einzigen Tochter Felicita, die
gewöhnlich, wenn Matteo in aller Frühe seine Wohnung
verließ, um seinen Geschäften nachzugehen, schon in ihrem
Gärtchen stand und seinen freundlichen Gruß freundlich
erwiderte. Er hatte das Mädchen immer seinen Morgenstern genannt
und sich ihrer sanften, erquickenden Schönheit innig erfreut;
niemals jedoch war ihm der Gedanke gekommen, sich um ihre Liebe zu


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