Mutter und Kind - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 100


Gesängen. 1859 Erster Gesang.
                 
Eben grauet der Morgen. Noch stehen die zitternden Sterne
An der Wölbung des Himmels, die kaum am Rande zu blauen
Anfängt, während die Mitte noch schwarz, wie die
Erde, herabhängt.
Frierend kriechen die Wächter mit Spieß und Knarre
nach Hause,
Doch sie erlöste die Uhr und nicht die steigende Sonne,
Denn noch ruhen die Bürger der Stadt und bedürfen
des Schutzes
Gegen den schleichenden Dieb, den spähende Augen
gewähren.
Wie der Hahn auch rufe, und wie vom Turme herunter
Auch der hungrige Geier mit ewig brennendem Magen
Nach dem Frühstück krächze, es kümmert
nicht Mensch noch Tiere.
Nur in den Ställen, die hinter die stattlichen
Häuser versteckt sind,
Wird's allmählich lebendig, es scharren und stampfen die
Pferde,
Und es brüllen die Kühe, allein die Knechte und
Mägde
Schwören sich bloß, zur Nacht die Raufen noch
voller zu stopfen,
Als es gestern geschah, und schlafen weiter in Frieden.
Nun, man müßte sie loben, wofern sie sich rascher
erhüben,
Aber, wer könnte sie tadeln, daß sie sich noch
einmal herumdrehn?
Ist doch die Kälte zu groß! Der Fuß, dem die
Decke entgleitet,
Schrickt zurück vor der Luft, als ob er in Wasser
geriete,


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