Treue Liebe - Christian Friedrich Hebbel - Страница 1 из 4


sich vor etwa 50 Jahren, ein lieber junger Bergknappe, in seine
Nachbarin, die Tochter eines Bäckers, und beide Leutchen schienen
so füreinander geschaffen, als ob die Engel im Himmel sie schon
in den Wiegen für den Ehestand eingesegnet hätten. Julius
war nur glücklich, wenn er sein Mädchen sah, und Maria war
die Zierde des ganzen Orts, wenn sie in ihrem engen Mieder, mit
silbernen Knöpfchen besetzt, über die Straße ging.
Alles blieb dann stehen, alt und jung rief ihr zu: Gott segne dich,
Maria! und jeder freute sich, daß sie den Julius liebte. Wenn
dann beide Liebende beisammen waren, dann tändelten sie auf
schuldlose Weise, wie die lieben Kinder, und Julius vergaß
darüber seine schwere Arbeit. Mutig fuhr er morgens in den
Schacht, wenn er seinem Mädchen vorher den Gruß gebracht
hatte, und arbeitete fleißig mit Hammer und Schaufel, bis der
goldene Abend herbeikam, wo er sich bei seinem Mädchen schuldlos
belustigte. »Ja Maria«, sprach er einst, »nur noch
eine kurze Zeit, dann werde ich der so beschwerlichen Arbeit
überhoben und Aufseher werden, so beteuerte es mir der ehrliche
Bergmeister. Und dann soll nichts mich hindern, dich an den Altar zu
führen; ich selbst winde dir das Myrtenkränzchen, damit du
mich immer liebest, wie jetzt und mir eine brave Gattin bleibst, denn
Maria, ohne dich möcht ich nicht leben; du bist mein
Alles!« Und Maria beantwortete diese unverstellten
Äußerungen wahrer Zuneigung, mit fühlendem Herzen. Sie


-10     пред. Страница 1 из 4 след.     +10