Die schöne Kaufmannsfrau - Christian Friedrich Hunold - Страница 1 из 8


Ein reicher Kaufmann zu Lindenfeld hatte sich mit einer reichen,
schönen und folgends gefährlichen Frauen verheiratet, deren
erstere Tage in solchem Stande recht vergnüglich, weil sie zu
Unterhaltung ihrer Wollust sattsame Mittel hatten. Allein wie man
einer Ergetzlichkeit, wenn man sie allzu wohl und sonder Nebensorgen
genießet, eher überdrüssig werden kann, als wo ein
kleiner Hauskummer oder widrige Geschäfte uns die
Süßigkeit einer reinen Liebe in ihrem Wert
hochschätzen lässet: so machte der Überfluß,
daß sie bei der Lust, welche sie zuvor entzücket, fast
gleichgültig wurden; und der Mann begunnte zum ersten seine
üppige Gedanken auf andere Schönen zu wenden und durch den
kräftigen Nachdruck dann und wann seine hitzige Neugierigkeit zu
befriedigen. Die Frau merkte gleich, wie ihr Mann gegen sie
laulichter worden, und durch ein Mißtrauen ward sie so
scharfsinnig gemacht, seine verbotenen Wege zu entdecken, von welchen
er gleichwohl nichts wissen wollte, sondern alle der Frauen Klagen und
Bitten einer ungerechten Eifersucht beimaß. Der vielleicht
ohnedies in ihr vorher gewesene Appetit, durch die Abwechselung das in
der Liebe gekostete Vergnügen zu vermehren und wovon sie die
Furcht und der Wohlstand abgehalten, ward nun durch die Meinung
genugsam gerechtfertiget: es stünde ihr frei, sich an ihrem Mann
durch gleiche Ausschweifung zu rächen. Wenn es aufhöret,
Koketten zu geben, so wird vielleicht der halbe Teil der Mannspersonen


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