Das öde Haus - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 50


Man war darüber einig, daß die wirklichen Erscheinungen im
Leben oft viel wunderbarer sich gestalten, als alles, was die regste
Fantasie zu erfinden trachte. »Ich meine«, sprach Lelio,
»daß die Geschichte davon hinlänglichen Beweis gibt
und daß eben deshalb die sogenannten historischen Romane, worin
der Verfasser, in seinem müßigen Gehirn bei ärmlichem
Feuer ausgebrütete Kindereien, den Taten der ewigen, im Universum
wartenden Macht beizugesellen sich unterfängt, so abgeschmackt
und widerlich sind.« – »Es ist«, nahm Franz
das Wort, »die tiefe Wahrheit der unerforschlichen Geheimnisse,
von denen wir umgeben, welche uns mit einer Gewalt ergreift, an der
wir den über uns herrschenden, uns selbst bedingenden Geist
erkennen.« – »Ach!« fuhr Lelio fort,
»die Erkenntnis, von der du sprichst! – Ach das ist ja
eben die entsetzlichste Folge unserer Entartung nach dem
Sündenfall, daß diese Erkenntnis uns fehlt!« –
»Viele«, unterbrach Franz den Freund, »viele sind
berufen und wenige auserwählt! Glaubst du denn nicht, daß
das Erkennen, das beinahe noch schönere Ahnen der Wunder unseres
Lebens manchem verliehen ist, wie ein besonderer Sinn? Um nur gleich
aus der dunklen Region, in die wir uns verlieren könnten,
heraufzuspringen in den heitren Augenblick, werf ich euch das skurrile
Gleichnis hin, daß Menschen, denen die Sehergabe [gegeben], das
Wunderbare zu schauen, mir wohl wie die Fledermäuse bedünken


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